Schocktober #1: Die Fliege (1986)

 The Fly, 1986 USA — 95 Min — FSK: ab 18 Jahren — Regie: David Cronenberg — Drehbuch: David Cronenberg, Charles Edward Pogue — Cast: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz, Joy Boushel, Leslie Carlson

„Mach die Fliege!“, das ist ein Satz, der sicher niemandem mehr so schnell über die Lippen geht, hat er erst einmal David Cronenbergs Body-Horror-Klassiker von 1986 gesehen. In Die Fliege befindet sich der geniale Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) auf den Spuren der Teleportationsforschung. Seine wissenschaftlichen Errungenschaften sind bereits wahnsinnig beeindruckend, doch es gibt da eine Kleinigkeit, die das Genie wurmt: Er kann noch nichts Lebendiges teleportieren, ohne dass es als grotesk deformierter Fleischhaufen endet. Zusammen mit der aufgeweckten Reporterin Veronica Quaife (Geena Davis), die ihn zuerst auffliegen lassen will (hehe), sich dann aber doch für die Diskretion entscheidet, versucht er das Problem zu beheben. Die Lösung fliegt den beiden schon bald zu und nicht lange dauert es, da will der energische Forscher den Selbstversuch wagen. Bedauerlicherweise bemerkt er nicht, dass er sich zusammen mit einer Hausfliege teleportiert, was zur Folge hat, dass seine DNS mit der der Fliege verschmilzt. Von diesem Punkt an verwandelt sich Jeff Goldblum in Slow Motion zum fleischgewordenen Gregor Samsa, was den Zuschauer mit wunderschön unästhetischen Aufnahmen von allerhand ausfallenden Körperteilen beglückt. Für Fans von Mutationen ein wahres Festmahl.

Überhaupt widmet sich der Film im Grunde voll und ganz der Metamorphose seines Hauptcharakters. Sowohl äußerer als auch innerer Natur. Die Exposition kommt dabei allerdings weder zu kurz, noch ist sie einfach nur Mittel zum Zweck. Der Eifer von Seth Brundles Figur, gepaart mit dem Misstrauen gegenüber seinem eigenen Glück sind es, die den Mann wegen eines klitzekleinen Fehlers in sein Verderben stürzen (I believe I can fly!), und ihn letztendlich in ein Monster verwandeln. Zunächst freut er sich natürlich über seine neu gewonnen Fähigkeiten, doch der Zuschauer weiß genau wie Veronica, dass das nichts Gutes zu bedeuten hat. In seinen stärksten Momenten nimmt der Film direkten Bezug auf die Zerrissenheit seines Hauptcharakters, wenn er endlich dazu imstande ist zu begreifen, was wirklich mit ihm vorgeht und wie sehr er sich verändert hat. Interessant kommt immer wieder die Frage auf, wie viel Menschlichkeit in einem solch degenerierten Wesen noch stecken kann. Darauf basiert auch die sensibel aufgefahrene Liebesgeschichte zwischen Seth und Veronica, welche ebenfalls eine zentrale Rolle im Film einnimmt.

Zweifelsohne ist Die Fliege ein Meisterwerk der praktischen Effekte, und auch das Make-up für die damalige Zeit ist einzigartig, doch flattert die Geschichte des Films zu seicht vor sich her, als das man je wirklich tief in ihre Fänge gerät. Zu geradlinig und sauber wirkt der Aufbau, umso verwirrender einige Entscheidungen gegen Ende des Films, für die man sich mehr Zeit hätte lassen können. Dadurch fühlt sich Cronenbergs Film trotz des enormen Status auf eine paradoxe Weise winzig an. Selten schlägt der Horror wirklich ein, anstatt sich einfach nur an seinem Ekel zu ergötzen, denn wirklich gruselig wird es dann, wenn man merkt, wie sehr die beiden Hälften des Mutanten gegeneinander kämpfen. Ein hervorragend spielender Jeff Goldblum gibt diesem Zwiespalt ein Gesicht.

Fazit

Daumen Schräg HochDie Fliege ist optisch wegweisend, und erzählt mit einem kleinen aber feinen Cast eine minimalistische Geschichte. Für Freunde des Body-Horrors ist dieser Film ein absolutes Muss, doch fixiert er sich an einigen Stellen etwas zu stark auf die Ekelkomponente und vernachlässigt dadurch die eigentlich interessanten Fragen des Films.

David Cronenberg: If you beat an animal to death, even a monkey-cat, your audience is not gonna be interested in your problems anymore

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