Ich und Earl und das Mädchen (2015) – Kein Melodrama

Me and Earl and the Dying Girl, 2015 USA — 104 Min — FSK: ab 6 Jahren — Regie: Alfonso Gomez-Rejon — Drehbuch: Jesse Andrews — Cast: Thomas Mann, Olivia Cooke, RJ Cyler, Nick Offerman, Connie Britton, Molly Shannon, John Bernthal — Verleiher: Twentieth Century Fox — Kinostart: 19.11.2015 — Webseite

Greg Gaines (Thomas Mann) versucht in der Highschool so wenig anzuecken wie nur irgend möglich, indem er vor sozialen Kontakten zurückscheut und sich daran hält, zu jeder Gruppe ein bisschen zu gehören, anstatt sich fest einzugliedern. Auch seinen besten Freund Earl (RJ Cyler) bezeichnet er nicht als Freund, sondern als Mitarbeiter. Zusammen drehen die beiden gerne Kurzfilme, die auf den leicht abgeänderten Titel von Filmklassikern basieren (z.B: Sockwork Orange). Gregs Mutter versteht allerdings nichts von dem zurückhaltenden Verhalten ihres Sohnes und zwingt ihn dazu, Zeit mit seiner Klassenkameradin Rachel (Olivia Cooke) zu verbringen, die gerade eine Leukämiediagnose erhalten hat. Es dauert nicht lange, da freunden sich die beiden an und Greg bemerkt, dass er seine Distanz zu anderen Menschen nicht ewig aufrechterhalten kann.

ich und earl und das mädchen bild 1In den letzten Jahren waren Coming of Age-Filme nicht gerade eine Seltenheit in der großen weiten Hollywoodwelt. John Green-Verfilmungen wie Das Schicksal ist ein mieser Verräter oder Margos Spuren konnten eine solide Basis an Menschen für ein Moviegenre gewinnen, das sich gerade in einem absoluten Hoch befindet. Häufiges Problem der „Jugendlicher wird erwachsen“-Filme: kitschige Geschichten. Ich und Earl und das Mädchen schafft es kein Melodrama zu sein, sondern gleichzeitig als verspielter Film und auch als bodenständiges Drama zu funktionieren. Oft spricht der Film das Thema sogar direkt an, will sich nicht als romantische Teenie-Dramödie verkaufen, und auch wenn er dann am Ende auf einmal frontal in Richtung Tränendrüse donnert, ist man dem Stilwechsel nicht abgeneigt, sondern lässt sich überwältigen.

Wie viele Genreverwandte lebt auch dieser Film von seinem Stil, von seinen kreativen Kameraeinstellungen, von seiner Indiemusik und seinen Ausflügen in Stop-Motion-Grafiken und Ähnliches. Die Darsteller rund um Thomas Mann und die hervorragende Olivia Cooke schaffen es darüber hinaus gekonnt die Atmosphäre des Erwachsenwerdens einzufangen und eine magische Stimmung zu erzeugen. Mal kreativ und faszinierend, mal gelangweilt und farblos, dieser Film spielt toll mit den Gedanken seiner Charaktere und mit seinem Genre selbst. Großer Pluspunkt auch die zahlreichen Amateurfilmparodien, die im Film erschaffen werden. Der Höhepunkt bleibt allerdings der emotionale Wendepunkt, der den Zuschauer trotz Vorbereitung und offensichtlich irreführender Negierung der Fakten kalt erwischt und sicher nicht mit trockenen Augen zurücklässt.

Fazit

Daumen HochFans der Coming of Age-Filmwelle der letzten Jahre kommen bei Ich und Earl und das Mädchen voll und ganz auf ihre Kosten, außerdem gelingt Regisseur Alfonso Gomez-Rejon eine schöne Hommage ans Amateurfilmen.

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