The Jungle Book (2016) – Tonale Ungleichheit (Gastkritik)

The Jungle Book, 2016 US — 106 Min — FSK: ab 6 Jahren — Regie: John Favreau — Drehbuch: Justin Marks — Cast: Neel Sethi, Bill Murray, Ben Kingsley, Idris Elba, Lupita Nyong’o, Scarlett Johansson, Christopher Walken, Giancarlo Esposito — Verleiher: Disney — Kinostart: 14.04.2016 — Webseite

„Du glaubst nur es zu kennen“, verspricht uns derzeit die Marketing-Kampagne zu Jon Favreaus The Jungle Book, der die uns allen wohlbekannte Dschungelbuch-Geschichte erneut fürs Kino erzählt. Angespielt wird damit wahrscheinlich weniger auf die literarische Vorlage des britischen Autors Rudyard Kipling als auf den ebenfalls von Disney herausgegebenen Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1967, der mittlerweile Kultstatus genießt. Favreaus Neuinterpretation gilt offiziell als Live-Action-Film, das einzig Echte auf der Leinwand ist allerdings nur Mogli-Darsteller Neel Sethi – der ganze Rest, und das schließt neben den sprechenden Tieren auch (fast) die komplette Dschungelandschaft ein – wurde am Computer erschaffen.

Und diese Animationskünste sind zweifellos überragend: Die Baumkronen, Flussbette und mit Tieren aller Art bevölkerten Waldwege wirken beinahe durchgehend absolut fotorealistisch – nur ganz selten wirkt die Szenerie mal etwas digital oder Greenscreen-y. Auch die sprechenden Tiere, die vielen Zweiflern vorab noch Sorge aufgab, wirken absolut authentisch. Man verfällt der Illusion, was nicht nur an der bemerkenswerten Animation der Gesichter und Mundbewegungen liegt (unter Beihilfe des Motion-Capture-Verfahrens), sondern auch am tollen Voice-Cast (zumindest im Original). Besonders Bill Murray (als Balu) und Idris Elba (Shir Khan) werden mit ihren Stimmen die Charaktere für eine neue Generation von Kindern prägen.

So prächtig wie The Jungle Book anzusehen ist, so fehlgeleitet ist er allerdings erzählerisch und tonal. Mit nur knappen 100 Minuten an Laufzeit hat der Film es leider viel zu eilig, von einem Story-Beat zum nächsten zu gelangen – die neuen Ideen (Stichwort Honigbeschaffung) haben nie wirklich Zeit zum Atmen. Und auch der emotionale Kern der Geschichte, die Freundschaft zwischen Balu und Mogli, wird lieber wilden 3D-Verfolgungsjagden durch den Dschungel geopfert und ist quasi nicht existent. Das größte Problem von The Jungle Book ist aber seine tonale Ungleichheit zwischen düsterer Neuinterpretation und nostalgischen Zeichentrick-Rückbesinnungen – der Auftritt von King Louie etwa fällt faszinierend einschüchternd aus, bis der übergroße Affe plötzlich zu singen beginnt – und die finstere Atmosphäre dahin ist.

Fazit

Daumen MitteProbier’s mal mit Gemütlichkeit, Jon Favreau, oder eben mit bitterem Ernst – aber bitte doch nicht dauernd mit beidem. The Jungle Book ist ein visuelles Wunderwerk, aber leider sehr fehlgeleitet in seinem Bemühen, die altbekannte Geschichte neu aufzulegen – gerade weil er sich vom Zeichentrick-Klassiker nie ganz trennen möchte.

 

Diese Kritik ist eine Gastkritik von Nikolas Friedrich von den Lethal Critics. Wenn sie dir gefallen hat, schau doch auch mal auf ihrer Seite vorbei!

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