Kilo Two Bravo (2014) – Das Heldentum des Krieges

Kajaki, 2014 GB — 108 Min — FSK: ab 16 Jahren — Regie: Paul Katis — Drehbuch: Tom Williams — Cast: David Elliot, Mark Stanley, Scott Kyle, Benjamin O’Mahony, Bryan Parry, Liam Ainsworth, Andy Gibbins — Verleiher: Capelight — Erscheinungsdatum: 19.08.2016 — Webseite

Im September 2006 startet eine 3-Mann-Patrolie von ihrem Außenposten über dem Kajaki-Damm im Süden Afghanistans, um Aktivitäten der Taliban zu beobachten. Als sie sich ihren Weg durch ein ausgetrocknetes Flussbett bahnen, tritt einer der Soldaten auf eine versteckte Landmine, die seit der Belagerung durch Russland vor 25 Jahren dort vergraben liegt. Seine Kollegen eilen ihm zur Hilfe, finden jedoch heraus, dass sie von jeder Menge Minen umgeben sind und jede Bewegung den Tod bedeuten könnte.

Menschen und Soldaten

Kilo Two Bravo Bild 1Kilo Two Bravo startet sehr gelassen und locker dafür, dass er sich später noch eines fatalen Themas annehmen wird. Zu Beginn erinnert die Atmosphäre mehr an den Campingausflug einer Truppe von jungen Männern, die ein Festival erwarten, anstatt des Afghanistankrieges, der sie jeden Tag vor ihrem Zelteingang einer tödlichen Bedrohung aussetzt. Das lässt und die Figuren erst als Menschen kennenlernen, bevor wie sie als Soldaten beobachten dürfen. Statt lauten und direkten Gefechten, heißt es hier Distanz zu wahren und zu observieren, was zwar unter der Gruppe für Langeweile sorgt, aber für den Zuschauer einen interessanter Blickwinkel repräsentiert.

Dabei muss man sich selbst als der englischen Sprache bewandter Mensch anstrengen, dien wahnsinnig akzentreichen Dialogen Folge leisten zu können. Authentisch wirkt das aber allemal. Paul Katis will uns das militärische System näher bringen und uns einen realistischen Eindruck von diesem verschaffen. Alles unterliegt einer höheren Ordnung und verläuft optimal strukturiert, umso härter trifft uns später der Kontrast, wenn im Minenfeld komplette Überforderung herrscht. Trotzdem bleibt der Krieg nie eine sporadische Gegebenheit, er ist omnipräsent und hinterlässt seine Spuren.

„God knows what we’re going to leave behind“

Kilo Two Bravo Bild 2Geht dann mal die erste Mine in die Luft, beginnt auch der Film zu explodieren. Seine sehr beachtenswerte Darstellung der menschlichen Psyche in Extremsituationen und der harsche Wechsel von Humor zu Horror verdeutlichen den Wahnsinn, der unter diesen Umständen auf den menschlichen Verstand einschlägt nachhaltig. Die Dämme des rationalen Denkens brechen schnell und äußerst heftig. Katis scheut außerdem nicht davor zurück, seine Kamera sehr lange auf die Verwundeten zu richten, er versucht das Grauen zu versinnbildlichen und uns einen Einblick in die Psyche der jungen Männer zu geben.

Dabei wird im Film dermaßen stark mit der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, dass eine überwältigende Spannung entsteht. Oft folgt die Kamera den Füßen der Soldaten, oder zeigt uns andere Risikofaktoren, während wir nur darauf warten, dass es gleich wieder knallt. Die Schockmomente funktionieren einwandfrei, denn obwohl wir jederzeit mit Explosionen rechnen müssen, erwischen sie uns doch meist kalt und wirken wenig repititiv. Die Dramaturgie wird rein aus der Aktion gewonnen, Kilo Two Bravo kommt komplett ohne musikalische Untermahlung aus.

„War may be hell, but hell can be starkly beautiful too“

Kilo Two Bravo Bild 3Das oben vermerkte Zitat stammt von Chris Knight aus einer Filmkritik zu Kilo Two Bravo von der National Post (Link). Somit will Knight rechtfertigen, dass es nicht verwerflich sei, eine Dramaturgie, wie sie in diesem Film vorzufinden ist, in ein Kriegsszenarion einzuarbeiten. Da wäre auch nicht unbedingt etwas piätätloses dabei, wenn Paul Katis sich nicht doch für Pathos entscheiden würde. Er wendet sich zum Schluss ganz explizit an die Soldaten, will, dass diese als die „Helden“, zu denen er sie macht, nicht in Vergessenheit geraten. Die Gelegenheit für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Kontext des Krieges und der Sinnlosigkeit der sterbenden Soldaten wird nicht ostentativ genutzt.

Das liegt schließlich auch daran, dass für Katis die Figuren wichtiger sind, als das Kriegsgeschehen, dass sich um sie herum abspielt. Es ist tolerabel, dass er ihre Misere und ihre Unbeholfenheit rekonstruieren will, doch leider geht er nicht darauf ein, woher dieses Leid eigentlich kommt. Dadurch, dass die meisten Figuren den Film über realtiv reduziert bleiben, tut er sich auch nicht gerade einen Gefallen. Kilo Two Bravo fühlt sich nicht wirklich gestreckt an, hätte jedoch auch noch spürbar mehr Inhalt unterbringen können.

Fazit

Daumen Schräg HochKilo Two Bravo besitzt extreme Spannungsmomente und wirkt authentisch in seiner Darstellung, versäumt es aber, sich mutig mit den Umständen des Krieges zu beschäftigen und stellt seine Soldaten am Ende als Helden und nicht als Opfer dar.

Trailer

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