Lommbock (2017) – Wo ist das Gras am grünsten?

2017 DE — 91 Min — FSK: ab 12 Jahren — Regie & Drehbuch: Christian Zübert — Cast: Moritz Bleibtreu, Lucas Gregorowicz, Alexandra Neldel, Wotan Wilke Möhring, Louis Hoffmann, Melanie Wininger, Antoine Monot Jr. — Verleiher: Wild Bunch — Kinostart: 23.03.2017 — Webseite

Mehr als 15 Jahre ist es nun her, dass Stefan (Lucas Gregorowicz) und Kai (Moritz Bleibtreu) in Lammbock über den gleichnamigen berüchtigten Pizzalieferdienst Würzburg mit Gras versorgten. In Lommbock kehren wir, kurz vor Stefans anstehender Hochzeit in Dubai, zusammen mit ihm zurück nach Unterfranken. Die Heimkehr bedeutet für ihn und den Zuschauer ein Treffen mit alten Freunden, Drogen, Affären und Gags. Aus einstigen Gedanken werden vollständige Motivationen, aus Schablonen werden Figuren.

Zurück zu den Wurzeln

Wo Lammbock durch seinen nonkonformistischen Humor und seine in der Kifferszene angesetzte Thematik schnell zu einem Klassiker berufen wurde, da spielt seine Fortsetzung in einer weiter ausgereiften Welt, in der die Witze dicker aufgetragen werden, die Leinwand noch mehr nach Gras riecht, und die persönlichen Schicksale und Probleme der Figuren einen deutlich höheren Stellenwert erlangen. Stefan, der vom Geld seines zukünftigen Schwiegervaters lebt, trifft in seiner alten Heimat auf Personen und Bedürfnisse, die er die letzten Jahre effektiv verdrängt hat. Beim Aufprall dieser zwei Welten merkt er schnell, dass das Leben, das er sich im Ausland aufgebaut hat, nichts als ein Bluff ist. Es zieht ihn zurück in alte Verhaltensmuster und vergessen geglaubte Liebschaften. Zurück in die unbeschwerte Zeit der Jugend.

Genauso setzt Regisseur Christian Zübert mit diesem Film ein klares Statement, das sich für die Jugend und ihre Sünden ausspricht. Er versucht nicht, für seinen ersten Film Rechenschaft abzulegen, oder ihn gar auf ein Podest zu stellen; er treibt seine Geschichte weiter an und somit auch weiter ins Extreme hinein. So lässt er es sich auch nicht nehmen, noch derber auf den gemeinhin als geschmacklos bezeichneten Humor zu bauen, und seine Figuren in noch konfusere Situationen und Beziehungen zu verwickeln. Deutlich wird hierbei vor allem die Gelassenheit, mit der Zübert auf sein Werk und auf seine Heimatregion blickt, und wie er sie im Film selbst persifliert.

Kiffer sind auch nur Träumer

Obwohl man Lommbock an vielen Stellen möglicherweise gerne den Vorwurf machen will, er mache sich über die Kifferkultur witzig und stelle ihre Anhänger als Menschen dar, die ihre Probleme selbst verschuldet haben, und von einer Dummheit in die nächste rutschen, da zeichnet er doch ein deutlich differenzierteres Bild, als es vielleicht so mancher wahr haben will: Es gibt keinen Kiffer an sich, nein schon in Lammbock wurde deutlich gezeigt, der Cannabiskonsum ist keinem Milieu eigen, sondern findet sich in allen gesellschaftlichen Schichten wieder. Vom Anwalt bis zum Polizisten lässt keiner die Finger vom Marihuana, nur weil es vom Gesetz nicht geduldet wird. Staatliche Institutionen werden parodiert und der Hedonismus zelebriert. Am Ende ist Züberts Film weniger Kifferparodie oder Appell an die Sucht nach Drogen im Menschen, sondern mehr an die ungenierte Sehnsucht nach Freiheit, Jugend und wilden Träumereien. Und die größten Denker waren doch bekanntlich alle high.

Fazit

Lommbock rollt den Joint noch voller als sein Vorgänger und enttäuscht dabei ganz und gar nicht. Der Humor ist noch pikanter, der Plot noch wirrer und die Musik noch fetziger. Selten gelingen Fortsetzungen so spät noch so gut.

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