The Monster (2016) – Ein totes Genre?

2016 US — 91 Min — FSK: ab 16 Jahren — Regie & Drehbuch: Bryan Bertino — Cast: Zoe Kazan, Ella Ballentine, Aaron Douglas, Christine Ebadi, Marc Hickox, Scott Speedman — Verleiher: Koch Media — Erscheinungsdatum: 23.03.2017 — Webseite

Der neue Indie-Horror-Hit ist angekommen – zumindest scheint es so, wenn man sich die teils sehr enthusiastischen Stimmen zu Bryan Bertinos neuem Film The Monster zu Gemüte führt. Ein obskures Phänomen, das sich in den letzten Jahren immer wieder als mutmaßliche „Wiederbelebung“ oder als „Neustart“ für ein tot geglaubtes Genre erweisen sollte – zuletzt bei Filmen wie Der Babadook, It Follows oder The Conjuring zu beobachten. Dabei ist der Horrorfilm, mit seinen zahlreichen Genrebeiträgen jedes Jahr, ganz sicher nicht ausgestorben, und die Filme, die in eine weiße Rüstung gekleidet werden, um als „Retter“ dieser Filmnische zu fungieren, haben diesen Titel zumeist nicht verdient, dadurch, dass sie nicht viel mehr tun, als alte Muster etwas neu auszulegen. The Monster ist einer dieser Filme, bei denen die Euphorie, die mit ihm einhergeht, sehr schwer festzumachen ist.

Wo bleibt diese „Revolution“?

Wir stellen uns ein klassisches Horrorsetting vor: Mutter und Tochter, die keine gute Beziehung zueinander haben, fahren zusammen nachts bei Regen durch den Wald und kollidieren plötzlich mit irgendetwas auf der Straße. Es dauert nicht lange, da führt ein Indiz zum anderen, und die beiden sehen sich von einer Bestie heimgesucht, die nach Menschenfleisch dürstet, weswegen sie zusammenhalten müssen, um zu überleben. Genau das eben ist The Monster, und er versteckt sich auch nicht, nein, der Film geht äußerst stumpf mit seinem Teasing um, wirft uns statt kleiner Hinweise hier und da nämlich lieber große Zähne und menschliche Arme auf die Windschutzscheibe. Na gut, dann eben kein subtiler Horror, aber muss ja nicht sein.

Wenn wir keinen subtilen Horror haben, dann müssen die Holzhammermomente jedoch wenigstens belohnt werden. Die Erwartungshaltung, die durch jedes Öhrchen des Monsters, das kurz in die Kamera spitzt, erhöht wird, muss durch Momente honoriert werden, in denen wir ergriffen werden, sei es von der Kreatur selbst, oder von dem Augenblick, der die Spannung urplötzlich auflöst. Auf diese Belohnung warten wir vergeblich. Die Schockmomente, wenn sie denn mal kommen, bestehen aus billig erarbeiteten Jumpscares und auch die Reaktionen, der eigentlich interessanten Figuren, darauf helfen uns nicht, uns in den Film einzufühlen. Na hoffentlich ist dann doch wenigstens das Monster ganz hübsch anzusehen? Oder nicht? Ach menno…

Der im höchsten Maße unbefriedigende Reveal kommt nämlich, wenn wir zum ersten Mal dieses „Ding“ in voller Montur sehen. Das soll es sein? Das ist der große böse Wolf der Geschichte? Dieses Etwas sieht aus, wie ein im Ölteppich verendeter Vogel, der sich auf seinem Weg aus dem Meer kurzerhand das Gebiss eines Säbelzahntigers geliehen hat, und beleidigt die Atmosphäre des Films durch sein lächerliches Antlitz. So ein Kostüm kämpft im Pappmascheetokio vielleicht hin und wieder gegen Godzilla, kann jedoch hier überhaupt keinen Eindruck hinterlassen. Gut, wo stehen wir? Setting? Meh. Spannung? Uff. Monster? …ja, was denn dann?

Nichts als ein Hindernis

Eines müssen wir The Monster gönnen, und das sind seine weiblichen Hauptdarsteller. Zoe Kazan und Ella Ballentine erweisen sich als wirklich stark in diesem Film, auch wenn wir in dem Glauben leben wollen, sie hatten keine Ahnung, wofür sie hier unterschrieben haben, oder es war ihnen schlicht und einfach egal. Gerade durch sie bekommt die zu Anfang schnell gezeichnete Mutter-Tochter-Problematik ein solides Fundament, das durch einige Flashbacks sogar noch unterstützt wird. Die Alkoholsucht der Mutter und ihre Überforderung mit der aktuellen Situation stellen sich im Vergleich als das deutlich faszinierendere Monster heraus.

Da jedoch die Bedrohung im Film so schlecht übermittelt wird, fällt es uns als Zuschauer dann in den wichtigen Szenen doch sehr schwer, den Stellenwert der finalen Entscheidungen und Emotionen, die unsere Charaktere schließlich überwältigen, nachvollziehen zu können. So bleibt auch das Finale sehr kalkulierbar, hätte jedoch durchaus Potenzial durch seine menschlichen Figuren gehabt, hätte man dem Monster zum Beispiel eine metaphorische Bedeutung gegeben. Als Alkoholsucht, Trennung von Mutter und Tochter, oder als „das Leben“ generell, alles wäre anregender gewesen, anstatt es einfach nur als Hindernis für die beiden in den Weg zu schmeißen, und zu sehen was passiert. Es passiert nämlich nichts und der Konflikt bleibt am Ende unausgetragen.

Fazit

The Monster ist weder die „Horror-Revolution“, die in den letzten Jahren so gerne verkauft wird, noch ist er überhaupt ein guter Film. Das einzig nennenswerte positive bleiben die schauspielerischen Leistungen.

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