The Autopsy of Jane Doe (2016) – In der Starre liegt die Kraft

The Autopsy of Jane Doe, 2016 GB — 99 Min — FSK: ab 16 Jahren — Regie: André Øvredal — Drehbuch: Ian B. Goldberg, Richard Naing — Cast: Emile Hirsch, Brian Cox, Olwen Catherine Kelly, Ophelia Lovibond, Michael McElhatton — Verleiher: Universum Film — Erscheinungsdatum: 20.10.2017 — Webseite

Während der Ermittlungen an einem mysteriösen Mordschauplatz entdeckt die Polizei im Keller eines Wohnhauses die Leiche einer Frau (Olwen Catherine Kelly), die dort vergraben wurde. Der Körper passt nicht zum Ort des Verbrechens und stellt die Beamten vor ein großes Rätsel. Aushilfe sollen Gerichtsmediziner Tommy Tilden (Brian Cox) und sein Sohn Austin (Emile Hirsch) liefern, die die unbekannte Jane Doe bis zum nächsten Morgen untersucht haben sollen. Die beiden merken sofort, dass es sich bei ihrem neuen Auftrag nicht um eine gewöhnliche Verstorbene handelt – vielmehr kommen immer weitere Puzzleteile ans Licht, die ihnen ein schauriges Geheimnis offenbaren. Regisseur André Øvedal liefert nach seinem kleinen Horrorerfolg Trollhunters von 2010 mit The Autopsy of Jane Doe erneut einen interessanten Beitrag zum Horrorgenre ab, der jedoch neben seiner Prämisse nicht viel Ansprechendes zu bieten hat.

Faszination im Stillstand

Vom lebenserfahrenen Vater, über den jungen aber professionellen Sohn, bis hin zur bleichen und starren Toten, die Zeichnung der einzelnen Charaktere gelingt überraschend gut. Während die familiäre und berufliche Beziehung zwischen Tommy und Austin schnell und ordentlich etabliert wird, ist nebenbei vor allem interessant, wie mit der Figur der Jane Doe umgegangen wird. Obwohl sie sich im Film kein einziges Mal bewegt – die Schauspielerin wurde unter anderem ausgewählt, weil sie über eine besondere Körperkontrolle verfügt – geht von ihrer bloßen Präsenz eine enorme Faszination aus; vielleicht gerade weil sie keinen Finger regt.

Durch die Kamera wird oft suggeriert, dass wir Reaktionen auf dem toten Gesicht zu erkennen glauben, obwohl sich daran nichts verändert hat. Der Stillstand heizt die Erwartungshaltung daran an, dass mit ihm gebrochen wird. Wie so häufig im Horrorgenre, werden wir so ewig auf die Folter gespannt, damit uns die finale Enthüllung hart in die Magengrube trifft. Und wie so häufig funktioniert diese Enthüllung nicht besonders gut. Die Idee, einen solchen Kriminalplot rein über die Autopsie zu erzählen, ist unverbraucht, jedoch wird das hier nur so lange ausgenutzt, wie sich die üblichen Horrorelemente zurückhalten können. Von dort an wird The Autopsy of Jane Doe zum langweiligen Jump-Scare-Fest, das es sich nicht nehmen lässt, ein Klischee nach dem anderen zu bedienen.

Effekthascherei statt Horror

Das Skript weiß zwar sehr gut sein Setting organisch aufzubauen, doch mit den Schockmomenten kommt es überhaupt nicht zurecht. Neben gelungenen Überraschungen fehlt es Øvredals englischsprachigem Debüt mitunter offensichtlich auch einfach am Budget. Die Spezialeffekte sehen an vielen Stellen sehr billig aus und schaffen es nicht, die sowieso schon schlecht eingesetzten Schreckfiguren zu unterstützen. Man hat fast das Gefühl, ab der Hälfte des Films wäre entweder das Geld oder das Drehbuch zum Film verbrannt worden und man musste schnell nach einer Notlösung suchen, um das Ende noch irgendwie zu retten. Dabei ist der finale Twist nicht einmal so schlecht und birgt sogar thematisch einige greifbare Punkte, auf die man hätte aufbauen können, wie zum Beispiel sexualisierte Gewalt. Unter all der lauten Effekthascherei wird das aber schnell vergraben.

Fazit

Der norwegische Regisseur André Øvredal kehrt nach seinem Kulthit Trollhunters zurück mit The Autopsy of Jane Doe. Viele gute Ideen fließen in den Film mit ein, jedoch wird die dichte Atmosphäre in der zweiten Hälfte zunichtegemacht und der Film zum trashigen Billighorror.

The Autopsy of Jane Doe hat aktuell noch kein deutsches Startdatum und noch keine FSK-Freigabe.

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