The Killing of a Sacred Deer (2017) – Unter dem Skalpell

The Killing of a Sacred Deer, 2017 GB/US/IE — 121 Min — FSK: ab 16 Jahren — Regie: Yorgos Lanthimos — Drehbuch: Yorgos Lanthimos, Efthymis Filippou — Cast: Colin Farrell, Nicole Kidman, Barry Keoghan, Raffey Cassidy, Sunny Suljic, Bill Camp, Alicia Silverstone — Verleiher: Alamode Film — Erscheinungsdatum: 28.12.2017 — Webseite

Der Chirurg und Familienvater Steven Murphy (Colin Farrell) trifft sich seit einiger Zeit regelmäßig mit dem Teenagersohn eines seiner verstorbenen Patienten, Martin (Barry Keoghan). Martin freundet sich nicht nur mit Stephen an, sondern kommt langsam auch mit seiner Familie in Kontakt: Stevens Frau Anna (Nicole Kidman), ihre Tochter Kim (Raffey Cassidy) und ihr Sohn Robert (Sunny Suljic). Als Robert eines Tages seine Beine nicht mehr spüren kann, und kein Arzt in der Lage ist eine Erklärung zu liefern, dreht sich das Leben der Familie auf den Kopf. Hat Martin etwas damit zu tun?

Eine griechische Erfolgsgeschichte

Nach einigen kleineren griechischen Filmen landete der Regisseur und Drehbuchautor Yorgos Lanthimos mit The Lobster (2015) seinen ersten englischsprachigen Erfolg, und wurde direkt mit einer Oscarnominierung für sein kapriziöses Drehbuch belohnt. Schon damals machte sich die Kooperation mit Colin Farrell bezahlt, der sich nun auch für The Killing of a Sacred Deer zurück vor der Kamera befand. Neben der gebrochenen Performance von Farrell machen sich aber vor allem die beiden Neuzugänge Nicole Kidman und Barry Keoghan bezahlt, und imponieren mit ihrem aufrüttelnden und doch undurchdringlichen Spiel. Der Auftritt der beiden lässt sich höchstens vom rasend gefahrvollen Soundtrack die Show stehlen.

Im Operationssaal

Das Schaffen von Lanthimos strahlt schon immer eine Sterilität aus, als würde es einem Operationssaal entspringen. Ob beispielsweise in Dogtooth (2009) eine von der Gesellschaft isolierte Familie seziert wird, oder wir in The Lobster das Wesen der menschlichen Beziehungen wie von der Außenseite eines Terrariums betrachten, seine Kamera wirkt für uns so, als würden wir durch ein Mikroskop blicken, auf eine Welt, die wir nicht verstehen können, so sehr sie der unseren doch ähneln mag. Gewissermaßen spielt sein neustes Werk in einem Universum, das uns näherzuliegen scheint, als wir es von ihm gewohnt sind, auch wenn seine Figuren sich auf gängige Weise verfremden, und in abgehackten maschinellen Dialogen sprechen.

Dass uns dieser Film zugänglicher erscheint, als eine seiner vorigen, liegt vor allem an den Erzählstrukturen, mit denen er arbeitet. Im Kern wird eine klassische Geschichte von ausgleichender Gerechtigkeit, der menschlichen Sehnsucht nach Rache und einem Gleichgewicht der Welt und der dahinter verborgenen Absurdität aufgerollt. Dabei ist es keinesfalls verboten zu lachen, auch wenn die Schicksale der Charaktere selbst alles andere als amüsant anmuten. Durch seine groteske und unterkühlte Darstellung vom Geschehen wird The Killing of a Sacred Deer mehr oder weniger zu einer schwarzen Komödie, vielleicht auch, weil seine Grausamkeit anders kaum auszuhalten wäre.

Fazit

Yorgos Lanthimos Filme wirken wie aus dem Operationssaal. Figuren schneiden mit haarscharfen und präzisen Dialogen wie Skalpelle um sich, und zerlegen so Stück für Stück die Krankheit Mensch. In The Killing of A Sacred Deer treibt er sein steriles Handwerk auf die Spitze, und serviert uns einen eiskalten Film, voll von Absurdität und starken Performances.

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