Glory (2016) – Held wider Willen

Slava, 2016 BG/GR — 101 Min — FSK: ab 16 Jahren — Regie: Kristina Grozeva, Petar Valchanov — Drehbuch: Kristina Grozeva, Decho Taralezhkov, Petar Valchanov — Cast: Stefan Denolyubov, Margita Gosheva, Ana Bratoeva, Stanislav Ganchev, Mira Iskarova, Milko Lazarov — Verleiher: Mouna — Kinostart: 04.01.2018 — Webseite

Nach Die Lektion von 2014 stellt Glory den zweiten Teil der „Newspaper-Clippings Trilogie“ dar, wie sie die Regisseure Kristina Grozeva und Decho Taralezhkov so schön betitelt haben. Der für den Auslands-Oscar 2017 eingereichte Film folgt zwei Protagonisten, einem einfachen Bahnarbeiter (Stefan Denolyubov), der eine Unmenge an Geld auf den Schienen findet und der Polizei meldet, anstatt es für sich zu behalten, und einer PR-Beauftragten (Margita Gosheva) des bulgarischen Transportministeriums, welche diesen Fall benutzen will, um von den heftigen Korruptionsvorwürfen abzulenken, mit denen sie sich gerade herumschlagen muss.

Zwei Figuren im Machtspiel

Aus der simplen Grundkonstellation entsteht nach und nach ein bis auf die Spitze getriebenes Gesellschaftsdrama, das von der Instrumentalisierung des Menschen erzählt, sowohl durch das System als auch durch die Öffentlichkeitsarbeit und sogar den Journalismus, der gegen jenes System ankämpfen will. Unsere Hauptfigur Tzanko Petrov muss schmerzlich feststellen, wie schnell man unter den Rädern der Bürokratie verloren gehen kann, und wie wenig Bedeutung einem Individuum dort überhaupt zukommt. Dabei ist es ein kluger Kniff des Films, dass wir nicht nur einen Einblick in die Rolle des Opfers, sondern auch in die einer Täterrolle bekommen, was die Figurenzeichnungen deutlich spannender gestaltet, und beide Protagonisten gewissermaßen auf eine Ebene setzt.

Zu zahm für Provokation?

Liebhaber des europäischen Naturalismuskinos kommen hier sicherlich auf ihre Kosten. Gattungstypisch wird an Musik, Farben und besonderen optischen Einfällen gespart, und stattdessen auf eine realistische Optik mit wackelnder Kamera und authentischem Lichtspiel in Arthaus-Manier gesetzt. Bisweilen erlaubt sich der Film durchaus auch satirisch zu werden und humoristische Einschübe vorzunehmen, welche oft aber viel zu zahm bleiben.

Mit seinen letzten Szenen setzt Glory endlich zur Provokation an. In einem finalen Konflikt wird uns ein überraschendes und durchaus unbefriedigendes Ende überlassen, welches mehr oder weniger dramaturgischen und humoristischen Gründen geopfert wurde. Gleichzeitig geht der Film so auch der Konfrontation seiner beiden Figuren aus dem Weg, nachdem sie konträr zueinander einen interessanten Wandel erlebt zu haben scheinen, und rüttelt stattdessen den Zuschauer wach, der sich selbst damit auseinandersetzen muss.

 Fazit

Mit Glory ist dem bulgarischen Regieduo Grozeva & Taralezhkov ein solides gesellschaftspolitisches Drama gelungen, welches entschleunigt und schnörkellos den Menschen inmitten der Öffentlichkeit zum Thema macht.

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